Chronik des Dorfes Körbecke / Teil 7

Holzgerechtsame und Holzprozeß

Im 17. Jahrhundert begann ein Prozeß über Rechte und Pflichten zwischen den 6 Dorfschaften der Herrschaft Desenberg und den sämtlichen Gevettern von Spiegel zum Desenberge.

Darunter befand sich die Forderung auf Wiedergewährung der Holzgerechtsame, d. i. der Anspruch der Dörfer auf Wiederherstellung freier Brennholzlieferung aus den von Spiegel'schen Waldungen, die in der Hauptsache in einem großen Halbkreis hinter Bühne liegen. Auch das Braunsholz bei Körbecke zählt dazu.

Im Jahre 1686 erging das erste richterliche Erkenntnis der Paderborner Regierung, worin zunächst Daseburg das geforderte Recht zuerkannt wurde. In der nächsten Zeit wurde ausgesprochen, daß sich genannte Rechtsprechung auf alle 6 Dörfer beziehe.

In den Jahren 1701 und 1718 folgten Erkenntnisse des Reichskammergerichts. Weitere Erkenntnisse datierten aus den Jahren 1775 und 1780. In allen Erkenntnissen wird übereinstimmend allen 6 Dorfschaften das Recht freien Brennholzbezuges aus den von Spiegel'schen Waldungen zugesprochen, "wie vor Alters" und "in Conformität hierbevor gewesenen Gebrauchs". Diese Ausdrücke und Wendungen gestatten keinen Zweifel daran, daß der Brennholzbezug ein althergebrachtes Recht war, welches von den Pflichtigen zu Unrecht vorenthalten wurde. Dies Recht wurde also durch Richterspruch wiederhergestellt, indem sämtliche Ausflüchte derer von Spiegel zurückgewiesen wurden.

Gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts war der Prozeß 100 Jahre in der Schwebe gewesen mit dem Resultat, daß die Dörfer stets, auch in den höchsten Instanzen gewonnen, aber nie etwas empfangen hatten. Das war dazu angetan, den Glauben an die jemalige greifbare Erlangung ihrer Berechtigung zu erschüttern und eine Ermüdung zu bewirken. Drei Generationen waren darüber ins Grab gesunken. Ein namhafter Schriftsteller sagt: "Wenn es lange geht, daß der gemeine Mann sein Recht erhält, so verliert er das Vertrauen und gibt alles verloren." Dies traf im vorliegenden Fall bei unsern Vorvätern wörtlich zu. An einer Stelle erklären die Berechtigten, daß sie "wegen vieler Kosten, großer Schäden und Unannehmlichkeiten sich schwach und incapabel fühlen" und sich auf einen Vergleich einlassen wollen. Geschicktes Zureden durch von Spiegel'sche Beamte mochte hinzukommen, und so sehen wir dann 5 Dörfer ihr erstrittenes Recht und mehr denn 100-jährige Rechtsforderungen gegen einen verschwindend winzigen Nachlaß von Verpflichtungen preisgeben.

Mit Eingesessenen von Körbecke, als den letzten der Vergleichenden wurde der Vergleich am 18. November 1790 abgeschlossen. Von Seiten derer von Spiegel ist später aus ihren Renteiregistern nachgewiesen, für Körbecke sei gegen den Vergleichsverzicht auf die Holzgerechtsame folgender Nachlaß gewährt worden:

  1. 1 Taler 12 Mariengroschen 6 Pfennige an Schillingen und Hofgeld
  2. 14 1/2 Stck Hahnen und 290 Eier (Hühner dagegen verbleiben)
  3. 15 Taler 22 Mariengroschen Dienstgeld.

Dieser Jahresnachlaß hat einen Wert von etwas über 20 Talern. Die Werte der gegeneinandergestellten Verzichte stehen in einem solch schreienden Mißverhältnisse, daß ich die Richtigkeit obiger Zahlen bezweifeln würde, wenn sie nicht als von v. Spiegel'scher Seite herrührend in einem amtlichen Schriftstück vor mir lägen.

Von einem halbwegs verständlichen Ausgleich kann bei solch auffälligen Wertdifferenzen nicht Rede sein.

Vorhin ist bereits aufgeführt, daß die Berechtigung nach dem Verlauf der Sache die Hoffnung auf greifbare Erlangung ihrer Berechtigung verlieren mußten. Einmal war gerichtsseitig festgesetzt, weil die Pflichtwälder durch übermäßiges Hauen etc. ruiniert seien, sollten die Berechtigten sich bis zur Erholung der Wälder vorerst mit 500 Waldfuhren jährlich begnügen, die ihnen zu verabfolgen seien. Sie bekamen doch künftig ebensowenig etwas, wie vorher. Es war keine Exekutive vorhanden, die unsern Vorvätern ihr erstrittenes Recht verschaffte, weshalb sie trotz errungener Siege kapitulierten. Das Abhängigkeitsverhältnis, in welchem sie Jahrhunderte zu den "hochadeligen Häusern" gestanden hatten, mochte auch noch eine Rolle spielen, daß sie ihre Rechte in einem äußerst hinkenden Vergleich wie der Volksmund sagt "für ein halbes Ei und einen halben Käse" hingaben.

Die Gemeinde Bühne hatte sich nicht zur Kapitulation bewegen lassen und verfolgte weiter unablässig ihr Recht. Als die Kriegsgeißel zu Ausgang des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts sich über die Länder wälzte und staatliche Umwälzungen sich in baldiger Wiederkehr vollzogen, kamen Anträge zu dem Gegenstand nicht zur Ausführung. Im Jahre 1819 dagegen kam der Prozess für die Gemeinde Bühne faktisch wieder in Aufnahme. Diesem schlossen sich die Gemeinden Manrode und Muddenhagen im Jahre 1843 wieder an.

In den Vergleichsdokumenten war gesagt, die Gevettern von Spiegel sollten ein gleichlautendes Exemplar vollziehen und den resp. Gemeinden aushändigen lassen. Dies scheint nicht geschehen zu sein, weder persönlich, noch durch Bevollmächtigte. Ein direkter Beweis für diese Vollziehung hat nirgends erbracht werden können. Somit wurden die jeweiligen Vergleiche der einzelnen Gemeinden für einseitige Schriftstücke angesehen und ihre Gültigkeit mangels Vollziehung der andern Vergleichspartei seitens der Gemeinden bestritten. Dies wurde nun der Angelpunkt, um welchen sich die Sache fortan drehte. Von Seiten der Gemeinden ist eidlich ausgesagt, es sei nicht bekannt, daß die resp. Gemeinde jemals im Besitz eines von denen von Spiegel vollzogenen Vergleichsexemplars gewesen sei. Die Personen, die hierüber bekunden sollten, wurden von gegnerischer Seite namhaft gemacht.

Das Verhältnis der einzelnen Gemeinden kann hier nicht näher dargestellt werden. Das abweichende Verhältnis der Gemeinde Bühne ist vorhin dargelegt. Des weitern ist zu bemerken, daß die erwähnten Vergleiche der Gemeinden Körbecke, Manrode und Muddenhagen von demselben Notar du Plat abgefaßt waren und in ihrem Wortlaut übereinstimmten. Die Rechtsgrundlage dieser 3 Gemeinde war also völlig gleichmäßig. Das Resultat dieser neuerlichen Prozesse war, daß den Gemeinden die Gerechtsame wieder zugesprochen wurde, den Gemeinden Manrode und Muddenhagen letztinstanzlich im Jahre 1853.

Da die Exekutivgewalt zur Zeit eine stärkere und durchgreifendere war, wurde in den Jahren 1856 und 1857 ein interimistischer Hauungsplan für die Pflichtwaldungen behördlich festgesetzt und vorgeschrieben, auch die Ausfolgung bestimmter Holzdeputate an die Berechtigten reguliert und angeordnet. Hiermit kamen die Berechtigten von Bühne, Manrode und Muddenhagen kurz vor 1860 in den erstmaligen - interimistischen - Genuß ihrer Berechtigung. Das war etwas über 170 Jahre nach dem ersten zusprechenden Erkenntnisse. Inzwischen war die Ablösung der Berechtigung beantragt worden. Zu diesem Verfahren wurde die Gemeinde Körbecke amtlich in einen Termin nach Beverungen geladen, um sich zum Gegenstande zu äußern. Nach dem Vorgang der andern Gemeinden schloß sich auch die Gemeinde Körbecke der Geltendmachung der Gerechtsame wieder an und war hiermit wieder prozessende Partei.

Bis dahin hatte der Gegenstand hier das Interesse verloren. Da nirgends und niemals ein greifbarer Erfolg errungen war, mochte man keine Hoffnung mehr im Herzen haben und wurde gleichgültig. Der Einzelne, der die Sache hätte in Gang bringen und erhalten sollen, wäre behufs Information zu Reisen, zum Studium der Sachlage, also zur Aufwendung erheblicher persönlicher Opfer an Zeit und Geld genötigt gewesen.
In den Gemeinden Manrode und Muddenhagen, an dritter Stelle auch Bühne, wurde unseres Wissens von manchen Einwohnern verhältnismäßig sehr viel prozessiert. Deshalb mochte es dort nicht an streithaften Männern fehlen, die ihre Holzgerechtsame mit zäher Energie unter großen persönlichen und materiellen Opfern immer wieder verfolgten. Es wurde gesagt, mehr wie einmal sei die Ziege aus dem Stalle verkauft worden, um wieder einiges Reisegeld zur Verfolgung der Sache zu erlangen.

Der gemeinsame Kirchgang an Sonntagen hielt die Bewohner dieser 3 Gemeinden in steter und lebhafter Verbindung. Daß sie sich deshalb von der Verfolgung eines, alle Gemeinden gleichmäßig interessierenden Rechtes in gegenseitiger Kenntnis und Anregung hielten, ist nur natürlich.

Das alles traf bei den übrigen 3 Dorfschaften nicht zu. An dem endlichen und handgreiflichen Siege der obigen 3 Gemeinden nahmen jene, die die größten, bewunderungswerten Opfer zu seiner Erlangung gebracht hatten, nicht mehr teil.

Als Körbecke in die Verhandlungen wieder einbezogen, die Berechtigung auch beansprucht und der Verjährungseinwand zurückgewiesen war, mußte die Sache insofern für günstig angesehen werden, als Manrode und Muddenhagen bei völlig gleicher Sachlage letztinstanzlich gesiegt hatten. Indes blieb die möglichste Widerlegung und Entkräftigung der gegnerischen Behauptungen und Beweisversuche unerläßlich. Wer das unterläßt, wird ohne Ausnahme jeden Prozeß verlieren. In unserm Falle konnten nur Wahrscheinlichkeitsbeweise aus der Vergangenheit beiderseits herangezogen werden. Es waren 3 Deputierte gewählt, welche die Sache verfechten sollten. Diese waren indes dem verwickelten Gegenstande nicht entfernt gewachsen. Es lag ein Status causa et controversiae von über 150 Bogenseiten über den Stand der Sache mit seinen Gründen und Gegengründen vor. Wie wollten die Deputierten sich aus einem Schriftstück von solchem Umfange informieren, das sie - wenigstens teilweise - nicht mal ordentlich lesen konnten!

Demnächst stand ein richterliches Erkenntnis bevor.

In diesem Stadium wurde Schreiber ds. mit dem Gegenstande bekannt. Im neueren Verlauf war bereits ein für uns ungünstiges Erkenntnis ergangen. Nun wußte niemand von uns, daß es für uns die allerhöchste Zeit war zu der größten Gegenwehr, Schreiber ds. konnte es im Alter von unter 30 Jahren erst recht nicht wissen. Die Deputierten aber hätten es wissen müssen.

Eine eingehende Überprüfung der Akten führten mich zu der Überzeugung, manche der gegnerischen Beweisführung könnten gründlich widerlegt und entkräftet, anderen gegenteiligen Tatsachen von gleicher Wahrscheinlichkeit entgegengesetzt werden. In einem Schriftstück hatte ich das ausführlich darzulegen versucht. Dazu hatte ich wiederholt dringend geraten, einen tüchtigen Rechtsanwalt mit der Vertretung zu betrauen und ihn mit Verteidigungsmitteln nach Möglichkeit auszurüsten. Ohne tatsächliche Widerlegung der gegnerischen Behauptungen und Angaben mußten diese Beweiskraft erlangen.

Mein Vorschlag auf Vertretung durch einen Rechtsanwalt wurde nicht befolgt, weil weise Männer reifern Alters davon abrieten. Aus Furcht vor Verrat hatte nämlich von Anfang an die Parole gegolten, unter keinen Umständen dürfe die Gewalt aus der Hand gegeben werden. Das war so ein- gefleischt, daß der Befürworter einer rechtsanwaltlichen Vertretung bei der Menge, die sich jetzt wieder lebhaft für den Gegenstand interessierte, die Färbung nach Bestechlichkeit und Verrat erhielt.

Auf der Gegenseite arbeiteten mehrere Rechtsanwälte in gegenseitiger Unterstützung. Da konnte es wohl kaum anders kommen, daß uns, die wir nichts taten, eine ungünstige Entscheidung zufiel. Dies geschah dann auch durch Urteilsspruch im Jahre 1864.

Durch Schaden wird man klug; so erging es unsern Weisen. Nun wollten sie einen Rechtsanwalt zulassen, der den verfahrenen Karren wieder aus dem Sumpfe aufs Trockene ziehen sollte. Es wurde ein Paderborner Justizrat, der früher in gleicher Sache für Muddenhagen und Manrode tätig gewesen war, in Anspruch genommen.

Einer der Deputierten lebte schon länger nicht mehr, ein anderer war schwach und kränklich, der dritte hätte dem Rechtsgelehrten zu einer vorläufigen Information, die dieser ohne vorheriges Studium der Akten bedurfte, wohl nicht eine einzige Antwort geben können. Somit wurde Schreiber ds. als Sprecher mit nach Paderborn delegiert. Dort erfuhren wir, daß uns keine Appellation, sondern nur das Recht der Nichtigkeitsbeschwerde offen stände, welches aber an sehr enge Bedingungen gebunden sei. - Ein Rechtsanwalt am Obertribunal zu Berlin lehnte nach Durchsicht der Akten die Einlegung einer Nichtigkeitsbeschwerde ab, weil kein durchschlagender Grund dafür vorhanden sei. Somit hatten wir die Berechtigung unwiderbringlich verloren.

Wenn eine Gesamtheit in wichtiger und schwieriger Sache die Wahl von Vertretern nicht auf Sachkenntnis und Leistungsfähigkeit gründet, sondern sich von plumper Redeweise imponieren läßt, die in der Regel umso hohler ist, je breiter sie sich macht, so ist es nicht nur natürlich, sondern sogar billig und recht, wenn sie gründlich abfällt. Das geschieht denn auch oft, wird aber nichtsdestoweniger ebenso oft wiederholt. Das große Wort imponiert auch ohne jedwede Sachkenntnis. Aber schade und recht beklagenswert bleibt es immer, daß unser Braunsholz nicht auch an die Nachkommen seiner ursprünglichen Besitzer zurück gelangte. Die endliche Abwicklung des Holzgerechtsameprozesses dauerte bei den Gemeinden Bühne, Manrode und Muddenhagen bis gegen die Jahrhundertwende, ohne die Vorstadien vor dem ersten Erkenntnisse immerhin über 200 Jahre, wobei eine Ausgleichung über die früher nicht geleisteten Rückstände nicht eingerechnet ist.

Das war fürwahr ein langer Prozeß!

Wer ist des Gedankens fähig, unsere Vorfahren hätten es ermöglichen können, den Herren von Spiegel länger denn 170 Jahre Rechte und Leistungen völlig vorzuenthalten, nachdem sie durch richterliche Urteile aller lnstanzen zu deren Leistung immer wieder pflichtschuldig erklärt worden? Zweifelsohne würde man mit ihnen, wie der Volksmund zu sagen pflegt, kurzen Prozeß gemacht haben.

Bühne, Manrode und Muddenhagen sind mit Waldparzellen abgelöst worden. Zu den Deputierten von Bühne zählte seinerzeit ein älterer unbemittelter Schuhmachermeister, der nicht nur großen Eifer, sondern auch ein ausgezeichnetes Verständnis von dem verwickelten Gegenstand besaß. Bei der Vorstellung des ehrenwerten Meisters habe ich immer die Empfindung an dem Manne sei ein guter Rechtsanwalt oder Diplomat verloren gegangen, auch seiner äußeren Erscheinung nach. Den endlichen Sieg seiner Sache hat auch er nicht mehr gesehen.

In dem Verfahren wurde wiederholt erwähnt, der Anspruch der Eingesessen auf das Recht des Raff- und Leseholzes, sowie des Stukenrodens sei einem besondern Verfahren vorbehalten. Die Abwicklung des Hauptgegenstandes hatte aber eine solche Übermüdung veranlaßt, daß besagte Rechte nicht mehr zur Sprache gebracht worden sind. Hierzu mochte übrigens auch beitragen, daß sie die ehemalige Bedeutung nicht mehr besaßen.

Das Streitholz in unserm Braunsholze, das ist der Teil rechts vom mittlern Wege, soll länger im Besitz der Gemeinde gewesen, dann aber auch verloren gegangen sein. Näheres und Aktenmäßiges ist darüber nicht bekannt.

Das Braunsholzwäldchen hätte uns, nach wiederholtem Ausspruch der die Sache bearbeitenden Spezialkommissare, bei richtiger und tatkräftiger Vertretung nicht können verloren gehen. Die erstrebte Brennholzgerechtsame muß als Überbleibsel frühern Eigentums angesehen werden.

Als die Geschlechter der Mächtigen in unsere Gegend kamen, waren unsere Vorfahren lange schon ansässig. Ohne Zweifel besaßen und nutzten sie auch ihre Bemarkungswälder. Als später Wald, Jagd, Fischerei etc. auf irgend welche Weise in den Alleinbesitz der Großen genommen wurde, verblieb den frühern Eigentümern der freie Bezug des unentbehrlichen Brennholzes. Diese Folgerung ist so natürlich und naheliegend, daß ein Zweifel daran nicht zulässig ist. Die entzogene Freiheit hatte der Staat unseren Vätern im Staatsinteresse wiedergegeben. Von den Pflichtigkeiten konnten wir uns unter staatlicher Beihilfe ablösen durch Geldzahlungen. Auch vom Walde hätten wir nach dem Vorgange von Bühne, Manrode und Muddenhagen einiges zurückerhalten, hatten es aber verträumt und verpaßt. Gewissermaßen als ein bleicher Schatten früherer Rechte blieb uns nun das gelegenliche Betreten, der Genuß von des Waldes Luft und Schatten, den Kindern die Freude an einigen Waldbeeren.

Die ideellen Eigenschaften und Genüsse, die der Wald bietet in seiner Luft und seinem Schatten, in seinem freundlichen, von allen Seiten uns umgebenden Grün, im Vogelgesang, wirken wohltätig auf die menschliche Gemüts- und Seelenstimmung und heben das körperliche und geistige Befinden. Das Wiedererwachen der Natur im Frühling läßt sich in seinen Fortschritten nirgends besser beobachten und verfolgen, wie im Walde. Deshalb bestand zwischen Mensch und Wald ein freundschaftliches Verhältnis seit dem Bestehen des Menschengeschlechts.

Die ideellen Güter und Gaben des Waldes sind in unerschöpflicher Fülle vorhanden, sind materiell für den Waldbesitzer völlig wertlos und erfahren durch tausendfältigen Genuß keine Verminderung. Diese Eigenschaften geben ihnen den Stempel eines Allgemeinguts, ähnlich dem erwärmenden und belebenden Sonnenstrahle. Daher war auch eine Störung des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Mensch und Wald früher absolut unbekannt und erschien undenkbar, obgleich die materiellen Waldwerte nicht ohne schädigende Angriffe blieben.

Auch unser Wäldchen, dessen nächste Umgebung in angenehmster Weise schöne und wechselvolle Aussichten bietet, war in der bessern Jahreszeit ein wirkungsvoller Anziehungspunkt für sonn- und festtägige Spaziergänger. Bei einladendem Wetter machte mancher Landmann am Sonntagnachmittag mal einen längst besprochenen Gang mit Frau und Kindern zum Walde und fanden darin eine Erholung von langen Wochenmühen. Das war das einzige Vergnügen auf dem vernügungsarmen Lande. Einzelne besuchten den Wald auch an Wochentagen. Wer nach längerer Abwesenheit zum Geburtsorte kam, den zog es alsbald zum Wäldchen. Städtische Besucher auf dem Lande verlangen in der besseren Jahreszeit nach dem Aufenthalt im Freien und namentlich im Walde. Einzeln fand am Sonntag ein Bierverzapf, einmal ein Konzert daselbst statt, zweimal produzierten sich auswärtige Gesangvereine (von Daseburg und Wormbach). Dabei wäre es stets angenehm gewesen, hätten wir auf eigenem Grund und Boden gestanden. Dies machte sich fühlbar, weil seitens unserer störrischen Forstaufsicht der Waldbesuch mehr und mehr angefeindet wurde. Dies hätte man früher für undenkbar gehalten. Im Jahre 1895 ist dann im Warburger Kreisblatt durch den Rentmeister des Grafen von Spiegel das Betreten des Braunsholzes förmlich verboten worden. Die Wege wurden gleichzeitig teilweise bepflanzt, mit Holz verlegt, mit Querbalken gesperrt. Auch das Pflücken einiger nutzlos verwelkter Beeren ist zur Bestrafung gebracht worden. Da keinerlei Waldfrevel mehr stattfinden, mußte das als Schikane empfunden werden.

Im Streitverfahren hätte sich das nur für wenige Einzelne unwirksam machen lassen. Gütliche Vorstellungen bei dem vermeintlichen, im Auslande wohnenden Besitzer hatten wenig Erfolg. Der Herr sprach sich wohlwollend aus, fürchtete aber die Erwerbung eines Verjährungsrechts und wollte bestimmte Beschlüsse nicht fassen ohne seinen Rechtsbeistand und seinen Rentmeister. Diese aber glauben sich im eigenen Interesse verdient zu machen, wenn sie vor Preisgabe von Rechten warnen. Nachdem wir von dieser Sachlage aufs Überzeugendste vergewissert worden waren, leisteten wir auf weitere Unterhandlungen als völlig zwecklos Verzicht.

Somit war uns Nachkommen der frühern Urbesitzer das zuletzt verbliebene Brosamen - der Genuß von Waldes Luft und Schatten - denn auch versagt, weil unser unfreundlicher Forstaufseher den altgewohnten und harmlosen Besuch in schroffster Weise zu einem Anfeindungsprojekte gemacht hatte. Einzelne z.B. Schreiber ds. setzten ihren Waldbesuch fort und würden ihn nötigenfalls auf dem Rechtswege verteidigt und behauptet haben, für die meisten aber hörte diese billige Annehmlichkeit nahezu ganz auf.

Im Jahre 1901 bedurfte die Forstverwaltung für den Braunenkop eine Holzabfuhr nach der Amensenchaussee. Sie hatte sich einen Weg angelegt der über den Separationsweg Nr. 37 zur Chaussee führt. Der Weg Nr. 37 ist in der Separation von und für die Separationsinteressengemeinschaft aus deren Vermögen angelegt. Der Braunekop ist nun von der Separation ausgeschlossen worden und also nicht Mitglied besagter Interessengemeinschaft. Somit kann auch kein Nutzungsrecht an den von der genannten Gemeinschaft neu angelegten Wegen beansprucht werden, sonder muß sich auf die vor der Separation bestandenen Abfuhrwege beschränken. Diese unsere Auffassung hatte Unterzeichneter sich von der kompetentesten Beurteilerin der Separationsausschüsse, der Königlichen General-Kommission zu Münster bestätigen lassen, weil die Forstverwaltung auf eine unrichtig geformte Wendung in unserm Reparationsrezesse hin ein Recht an dem Weg Nr. 37 behauptete.

Wir widersetzten uns der Holzabfuhr über diesen Weg, weil dem Walde die Anmaßung unzuständiger Rechte nicht gestattet werden konnte, nachdem seine Besitzer uns den bloßen Eintritt verwehrten. Obgleich unsere Polizeibehörde sich zunächst weigerte, erzwangen wir doch die Bestrafung der Holzabfuhr über den Separationsweg Nr. 37. Das führte zu Verhandlungen.

Hierbei stellte sich heraus, daß der bisher Domherrliche Waldteil, der etwa 3/4 des ganzen Braunsholzes ausmacht, für uns zunächst in Frage kommt und seit 36 Jahren im Erbprozesse schwebt, unter gerichtlichen Kuratel stand. Ein Justizrat in Hamm war seit Jahren gerichtlich bestellter Kurator. Dies war uns bis dahin unbekannt geblieben. Dieser Herr nun vermochte bei einer Aussprache und Verhandlung an Ort und Stelle der schroffen Geltendmachung von Rechten seitens der Forstmänner kein Verständnis abzugewinnen, weil ein sachlicher Grund und Zweck dafür nicht ersichtlich zu machen ist. Somit kam es zu einem Übereinkommen, wonach der althergebrachte Waldbesuch uns mit Ausnahme der Schonungen weiter gestattet, dem Waldeigentümer dagegen die neue, für die Zukunft wohl unentbehrliche Holzabfuhr über den Interessentenweg Nr. 37 zugestanden ist. Dies Abkommen lautet auf gegenseitige Kündigung, beide Teile aber haben ein Interesse an seinem Fortbestande.

Das Verbot des Betretens, das der Rentmeister des Grafen publiziert hatte, war also eine Täuschung und ein Übergriff, weil ihm nur über den verhältnismäßig kleinen Anteil des Grafen Rechte zustanden, über das ganze Braunsholz als solches zu bestimmen ihm aber jede Befugnis mangelte. Dieser Übergriff darf als ein Glied in der Kette alten Herkommens angesehen werden. Die Gegenüberstellung der Tatsachen, daß uns der altgewohnte Eintritt verwehrt, dagegen mit dreister Überlegenheit die wegeverwüstende Holzabfuhr über einen Weg beansprucht wurde, von dessen Anlage und Herstellung man den fraglichen Waldteil ausgeschlossen hatte, läßt ahnen, wie sich die Verhältnisse zur Zeit unserer Vorväter entwickelt haben mögen, wenn wir hinzunehmen, daß Letztere auch in späterer Zeit richterlich verbürgte Rechte nicht mal zu erlangen vermochten, wie der Holzprozeß bezeugt.

Hierhin gehört noch, daß zwei Rechtsanwälte als Vertreter der Waldbesitzer der hiesigen Gemeinde gemeinsam die Erklärung zustellten, das Braunsholz werde als eigene Jagdparzelle beansprucht und sei damit aus der Gemeindejagd ausgeschlossen. Seither sind Jahre vergangen, ohne daß das von Spiegelsche Braunsholz in der Hand eines einzigen Besitzers vereinigt worden wäre. Zu einem eigenen Jagdbezirke fehlten also die gesetzlichen Voraussetzungen durchaus. Es war nicht anzunehmen, daß die beiden Rechtsgelehrten von der Stichhaltigkeit ihrer gesuchten Argumentation überzeugt waren. Somit blieb nur die Annahme übrig, es sei die Meinung maßgebend gewesen, das gemeinsame Auftreten zweier Justizräte und die Erwägung, daß deren Auftraggeber die Kosten eines Prozesses nicht zu scheuen brauchten, würde einer Dorfgemeinde derart imponieren, daß sie sofort die Waffen strecke.

Das hatte verdient, den Herren scharfen Schnupftabak unter die Nase zu schicken. Nach Kenntnis aller einschlägigen Verhältnisse kann es unmöglich zweifelhaft sein, welche Seite auf Erlangung von Vorteilen zu Ungunsten und zum Nachteil der Gegenseite vorging.

Es sei noch ein Gegenstand erwähnt, der zu denen von Spiegel als Besitzer des Braunsholzes in Verbindung steht.

Die Hauptzugangswege zum Braunsholz - Mittlererweg und Ostheimerweg - waren früher schmal und einspurig, vielfach Hohlwege. In der Separation im Jahre 1858 wurden hier für neue Wege in Breite von 2 Ruten ausgelegt. Somit wurden zum Mittlerenweg 6 Morgen, zum Ostheimerwege 4 1/2 Morgen Ackerland verwendet, wogegen die geringere und wertlose Fläche der alten Wege in die Separationsmasse überging. Die neuen Wege mußten in Gräben gelegt und notdürftig planiert werden. Zu diesen Neuanlagen der Wege, die durch Verwendung der doppelten Grundfläche bessern Ackerlandes, durch Grabenanlage und Planierung kostspielig war, trug das Braunsholz nichts bei, weil die Veranlagung aus der Separationsmasse bestritten wurde, das Braunsholz aber von der Separation ausgeschlossen war. Die Verbesserung dagegen kam ihm in erheblichen Maße zu Gute.

Die Holzabfuhr geschieht durchweg im Winter und Vorfrühling, auch bei nassem Wetter, weil die Wege stets Gefälle haben. Die betreffenden Wege werden daher alljährlich arg zerfahren und für Frühjahrsdüngerfuhren, die eine stete Steigung überwinden müssen, unbrauchbar gemacht. Dies wird immer fühlbarer, weil das Braunsholz inzwischen zu Hochwald aufgewirtschaftet ist und infolgedessen weit mehr und schwerere Holzarten liefert wie ehedem - Klafterholz statt der früheren Reisighaufen. Wegen besagten Zerfahrens hat die Gemeinde einige der bedürftigsten Strecken chausseemäßig herstellen lassen. Zu den Gemeindeausgaben wird das Braunsholz mit einem Grundsteuerbetrag herangezogen.

Die Grundsteuerveranlagung stammt aus einer Zeit, in welcher das Braunsholz als Buschholz etwa 1/4 von dem gegenwärtigen Werte hatte. Da Holzungen überhaupt zu einem geringeren Reinertrage eingeschätzt werden, so ist der Grundsteuersatz des Braunsholzes äußerst gering. Die Gemeindeausgaben gehen zur Zeit über die Steuerbeträge hinaus, deshalb müssen Zuschläge auf Einkommen- und andere Steuern erhoben werden. Hierbei geht das Braunsholz leer aus.

Zu den kostspieligen Neuanlagen der jetzigen besseren Wege trug also das Braunsholz gar nichts bei. Sein Beitragsanteil zu den laufenden Reparaturen und Verbesserungen steht zu seinem Interesse an den Wegen, zu den starken Schädigungen, die es ihnen zufügt, die weit größer sind, wie von Ackergrundstücken gleichen Flächeninhalts und eine vermehrte Kostenaufwendung geradezu notwendig machen, in einem starken Mißverhältnis zum Nachteil der Gemeinde.

Hinzu kommt noch der Nachteil, den die einzelnen Grundstückseigentümer dadurch erleiden, daß die Wege alljährlich durch die Holzabfuhr zu Düngerfuhren zeitweise unbrauchbar oder viel schwerer passierbar gemacht werden.

Diesen Gegenstand habe ich in vorstehender Weise im Jahre 1905 dargelegt, damit er durch den Gemeindevorsteher dem gerichtlich bestellten Kurator des Freiherrlich von Spiegelschen Fideikommißvermögens, Justizrat Schultz zu Hamm, zugestellt werde unter der Anheimgabe eines finanziellen Zuschusses zu den Kosten für Aufbesserung der Wege zum Braunsholz. Nachdem darauf einige Einwendungen widerlegt waren, ist der Gemeinde aus der von Spiegelschen Forstkasse ein Wegebauzuschuß von 100 Mark überwiesen.

Waldbegrünung
Seit 27 Jahren hat der Unterzeichnete den Zeitpunkt aufgezeichnet, in welchem der Wald im jungen Frühlingskleide prangte, also im jungen Vollgrün stand. Als Beobachtungsobjekt ist das Liebenauer Diemeltalwäldchen gewählt, welches unserm Bachtal quer vorliegt und in Feld und Wohnung meinen Blicken täglich zugänglich ist. Es ist ein Buchenschlagholz mittlern Alters. Das nähere Braunsholz eignet sich vorläufig weniger zum Beobachtungsobjekt, weil es wegen gemischten Bestandes (Buche, Eiche, Birke, Linde, usw.) mit seinem Vollgrün weniger scharf einsetzt.

In den 27 Jahren der Beobachtung fiel der Zeitpunkt der eingetretenen Vollbegrünung 14 mal in den Maimonat, 13 mal in den Monat April. Abgesehen von einem Ausnahmetermine vom 17. April 1894 steht als frühester Termin einmal der 23., viermal der 24. April, als spätester Zeitpunkt dagegen zweimal der 11. Mai verzeichnet. Einen Durchschnittstermin erhält man aus der Summe der Tage, welche bei der jeweiligen Begrünung seit dem 1. Januar verflossen waren. - Fällt das Vollgrün z.B. auf den 24. April, so ist das der 114. Tag im Jahre, wogegen der 11. Mai der 131. Tag ist. Hiernach erhalte ich in den 27 Beobachtungsjahren mit Einrechnung des Begrünungstages die Summe von 3263 Tagen und nach Hinzurechnung von 6 Schalttagen 3269 Tage, geteilt durch 27 - ergibt 121 Tage im Durchschnitt. Danach fällt der Durchschnittstag der eingetretenen Vollbegrünung in den 27 Jahren auf den 1. Mai - in einem Schaltjahre auf den 30. April.

Eine spätere Wiederaufnahme dieser Beobachtungen, - die hiermit bestens empfohlen sei, - würde zu einem interessanten Vergleiche und zuverlässigen Schlusse hinsichtlich etwaiger Klimaveränderungen dienen können.

Ein Notar hier ansässig

In einem Kaufvertrage über die hiesige Mühle aus dem Jahre 1653 sagt der amtierende Notar Henrikus Steckell, die Vertragsschließenden seien in seiner hiesigen Wohnung vor dem Mühlentor erschienen. Der Tradition zufolge soll er in Sauerlands Hause gewohnt haben.

Ein Einwohner Steckell schenkte zum vormaligen Kirchenbau im Jahre 1663 100 Taler. Es darf angenommen werden, daß es Notar Steckell war.

Körbecke ein Marktflecken?

Der Tradition zufolge soll Körbecke ehemals ein Marktflecken gewesen sein. Ein Brunnen an der östlichen Lieth sei der Marktbrunnen gewesen (bis in die 1880 Jahre vorhanden). Die Namen von 3 Toren haben sich erhalten: Mühlentor, Kreuztor und Teppentor. Hierbei käme in Rücksicht, daß Borgentreich sich zusammengesetzt hat aus verschiedenen Ortschaften, die ehemals um Borgentreich lagen, z.B. Emmerke in der Richtung Bühne, Sünnerke nach Eissen, Holthusen nach Körbecke hin u.a. Als diese Ortschaften noch bestanden, war Körbecke vielleicht größer als Borgentreich und so ist es wohl möglich, daß Körbecke damals seine Märkte hatte.

Mietwohnungen

Einigen ist es noch bestimmt in Kenntnis, daß um die Mitte des abgelaufenen Jahrhunderts in Körbecke mehr als 50 Familien ansässig waren, die kein eigenes Heim besaßen, sondern bei andern Hausbesitzern mietweise wohnten, Juden und Christen. Dabei waren weniger Häuser vorhanden wie jetzt, auch waren die Häuser durchweg kleiner, denn fast alle Häuser sind seither durch Neu- oder Anbauten vergrößert worden. Viele ärmere Leute mußten sich damals mit erstaunlich beengten Wohnräumen begnügen. Ein Mann wurde noch namhaft gemacht, der, als er einmal keine Wohnung bekommen konnte, sich am Heiberge eine Wohnung herrichtete, halb Höhle, halb Hütte, und diese mit der Familie bezog. Das mietweise Wohnen hat inzwischen fast ganz aufgehört, teils wegen Abnahme der Bevölkerung, teils wegen Neubau von kleinen Wohnungen.

Bei der Erstkommunion war es Brauch, nach der Kommunion ein Gläschen Rotwein folgen zu lassen, das der Knabe Nr. 1 aus einem bereitgestellten Kruge einschenkte und der Reihe nach darreichte. Schreiber ds. ist hier der letzte derartige Mundschenk gewesen, danach ist der Brauch abgeschafft.

Als bei dem frühern Weidegange die mittägige Kuhmilch von der Weide geholt werden mußte, veranstalteten die "Milchmädchen" allsommerlich den sogenannten "Milchmädchentanz", bei welchem die umgekehrte Ordnung galt, daß die Mädchen zu jedem Tanze sich ihre Tänzer wählten. Die Borgentreicher Milchmädchen und Frauen trugen ihre Milcheimer allesamt auf dem Kopfe und strickten unterwegs Strümpfe, wie ich oftmals gesehen habe. Das Tragen auf dem Kopfe, auf den zunächst ein eigens dazu geformtes Kissen gelegt wurde, Kruke genannt, war bei der weiblichen Bevölkerung eine verbreitete Gewohnheit.

Von auswärtigen Körbecker Kindern seien noch einige erwähnt, die gestiegen sind: Mein Schulgenosse Bernhardinus König, der talentvolle Knabe einer blutarmen Mutter, besuchte die Schule noch ein 9. Jahr, zugleich mit Levy Wolfstein. Sie waren insofern meine engern Schulgenossen, als ich, wenngleich noch schulpflichtig, mit ihnen zusammen arbeitete, wir also keiner Schulklasse angehörten. Beide widmeten sich der Kaufmannschaft, König hier, Wolfstein in Amerika. Als B. König selbstständig wurde, wohnte er zunächst in Sömmerda, später bis jetzt in Haspe bei Hagen, wo er ein eigenes Fabrikgeschäft betreibt. Es mag ein sehr bewegtes Leben gewesen sein, durch welches König auf den jetzigen Standpunkt gekommen ist. Julius Göken widmete sich der Kaufmannschaft und ist jetzt Besitzer einer Schuhfabrik in Neumarktl, Krain-Österreich. Gregor Graute begann mit seinem elterlichen Vermögen von 11 Morgen Land, einem Hause und Lohnbacken. Das Backgeschäft dehnte er später dahin aus, daß er wöchentlich zweimal Verkaufsbrot nach Warburg fuhr. Nachdem er sein Gut nach und nach auf 60 Morgen vermehrt und die entsprechenden Gebäude zugebaut hatte, kaufte er die Uhlenburg bei Warburg und siedelte dahin über. Nun betrieb er das Backgeschäft mit täglichem Absatz nach Warburg und in die Industriegegend, wo sein Brot einen Namen erwarb. Graute besitzt jetzt mit der Uhlenburg nahe 140 Morgen Land, in Körbecke noch über 40 Morgen. Von seinen Söhnen wohnt einer in Essen, einer in Warburg. Jeder von ihnen betreibt eine schwunghafte Brotbäckerei auf eigenem Grund und Boden mit den neuesten Einrichtungen und elektrisch betriebenen Maschinen, alles von Vaters Segen.

Ferdinand Grewe fing an mit seinem väterlichen Erbe von 5 1/2 Morgen Land und einem Haus. Des Winters machte er Holzschuh, vermehrte sein Land nach und nach bis gegen 19 Morgen und baute ein neues Haus. Dann kaufte er die Austernmühle bei Warburg und ca. 70 Morgen Land und siedelte dahin über.

Als die Zuckerfabrik eine neue Kläranlage baute, sank das Wasser in dem Kalksteinfelsen und kam bis in das Wohnhaus der Austermühle. Daher kaufte die Zuckerfabrik nun die Austermühle. Ferdinand Grewe aber kaufte sich in der Provinz Hessen-Nassau in der Gegend von Fulda an. Dort zählt unser ehemaliger "Holschenmette" nun anscheinend zu den befestigten Großgrundbesitzern mit 220 Morgen Land und Wiesen, welches eine gute Lage haben, gut fruchtbar sein soll. Also Hofbesitzer.

Über die frühere Beschaffenheit der Wege ist noch folgendes anzuführen:

Bis ins 19. Jahrhundert hinein, teilweise bis zur Separation führte unmittelbar vor den Dorfausgängen in der Richtung nach Rösebeck eine niedrige Sumpfstrecke, die in einer Urkunde als "der große Entenpfuhl bei Henniges Hause" bezeichnet wird. Der jetzige Straßendamm ist im 19. Jahrhundert angeschüttet. In der Richtung nach Liebenau lag vor dem Mühlengraben eine Sumpfstrecke, die bei nassem Wetter unpassierbar war. Im 19. Jahrhundert mußte der Müller, wenn er zu Pferde mit seinen Kunden verkehren wollte, dies auf Umwegen über die Wanne bewerkstelligen, natürlich zur Zeit der Nässe. An einen Wagenverkehr war nicht zu denken. Die Kirchgänger und Schulkinder aus der Mühle hielten bei nassen Zeiten den Weg über den jetzigen Häusern am Berge und kamen dann vom Degenbicken her in die Mühle und umgekehrt. Der jetzige Wegedamm wurde später aufgeschüttet. In der Richtung nach Lamerden führte der "Schlangenweg", ein tiefer Hohlweg. Ins sogenannte "Große Feld" führte der Amtweg, ein Hohlweg. In der Richtung nach Bühne kannten wir vor dem Dorfausgange bei nassem Wetter noch eine große Laache, die indes keinen sumpfigen Untergrund mehr hatte, wie ihre Umgebung.

Als bei der Bruchmelioration eine Drainageführung die Thünewiesen entlang unter der Chaussee vor der Mühlenbrücke vorbei gelegt wurde, hob man aus dem kurzen und schmalen Grabengrunde unter der Chaussee, nachdem man in der Tiefe auf den ehemaligen Weg gestoßen war, 12 Stk. Hufeisen aus der Tiefe, die ehedem in den Sumpfboden leicht stecken blieben. Diese Hufeisen, ebenso wie auf dem Bruche aus den Drainagegräben heraufbeförderte, waren durchweg klein, demnach von erheblich kleineren Pferden, wie jetzt hier heimisch sind. Dagegen waren die Schenkel der Hufeisen breiter, ließen also in der Mitte wenig Huf frei. Ein Ackersmann erzählte, er sei einmal mit einem zweispännigen Wagen nach Warburg gefahren und habe ein leeres Hausmannsfaß auf dem Wagen gehabt. Diesseits des Rothenhauses, neben dem Desenberge, blieb der Wagen im sumpfigen Hohlwege stecken. Es mußte Hilfe von Rothehaus geholt, der Wagen auseinandergenommen und stückweise auf das höhere Land neben dem Hohlwege geschafft werden. Bei abendlicher Rückkehr mit einiger Ladung wurde der Hohlweg gemieden und der Weg über höher gelegene Acker genommen. Das war wahrscheinlich in den Jahren nach 1830.

Als wegen des kurhessischen Konflikts im Jahre 1850 Preußen einerseits Österreich und Bayern anderseits sich drohend gegenüberstanden, hatten wir zuweilen Durchmärsche und von Herbst bis Nachwinter 3 mal längere Einquartierungen. Im nahen Kurhessen waren Bayern einquartiert. Nachdem die erste Einquartierung wochenlang gedauert hatte, erschallten in einer düstern Novembernacht die Alarmsignale durch die ganze Gegend. In stockfinstrer Nacht rückten die Truppen auf den damaligen schlechten Wegen in das Kurfürstentum ein. Danach kam noch zweimalige Einquartierung. Diese gestalteten sich recht drückend aus folgenden Gründen: Die Kartoffelkrankheit stand damals auf ihrer Höhe und schmälerte den Ertrag derart, daß der Bedarf der eigenen Bevölkerung unbefriedigt blieb. Ein etwaiger Bezug aus fernen Ländern war völlig ausgeschlossen, weil weite Gebiete dem Eisenbahnverkehr noch nicht angeschlossen waren. Somit war es auch mit der Schweinemast unrühmlich bestellt.

Macht sich in normalen Jahren eine längere Einquartierung schon recht unangenehm geltend, wie drückend mußten dann bei dem Mangel an Hauptnahrungsmitteln längere Einquartierungen mit Verpflegung empfunden werden. Die Dauer der Einquartierungen war nicht abzusehen. Die Hausvorstände konnten sich unmöglich der Sorge entschlagen, für eigenen Bedarf bis zur nächsten Ernte etwas zu behalten. Da nun manche Hausstände monatelang um das doppelte stärker noch vermehrt waren, so ist es leicht zu ermessen, daß die Beköstigung den Hausvorständen ernste Sorgen und Schwierigkeiten bereitete, die in der Unsicherheit in Bezug auf die Dauer eine erhebliche Verschärfung erfuhr. Die jüngern Linientruppen waren in ihren Ansprüchen von durchaus tadelloser Bescheidenheit. Anders dagegen war es mit einer rheinischen Landwehrtruppe, meist Angehörige städtischer Industrien, mit denen Konflikte unvermeidlich waren. Neben ihren Einwendungen gegen die Beköstigung, die bei dem Kartoffelmangel nicht völlig normal sein konnte, zeugten andere Oppositionen z.B. gegen das nächtliche Dreschen, welches ihre Nachtruhe störe, nicht eben von friedlich wohlwollenden Gesinnungen. In der Sylvesternacht, wo junge Leute und Männer mehr wie gewöhnlich im Wirtshause und auf der Straße sind, kam es in einer Wirtschaft mit ihnen wegen anmaßenden Wesens zu einer Schlägerei, die auf der Straße ihre Fortsetzung fand und in der die anmaßenden Fremdlinge den Kürzeren zogen.

Unsere Schulgebäude sind 1893 und 1896 gebaut und hatten die Erwerbung eines Spritzenhausplatzes, den Abbruch des alten und die Erbauung eines neuen Spritzenhauses, eine Entschädigung des Lehrers für verlorene Nutzung von Obstbäume und einer kleinen Baumschule im Gefolge. Mit Einrechnung aller Nebenkosten beliefen sich die Schulbaukosten auf rd. 50.000,-- DM, obiges eingerechnet.

Zu unserm Kirchenbau, den wir zu Ehre Gottes, zu unserm und unserer Nachkommen Seelenheil begonnen und dessen glückliche Vollendung wir dem Schutze des Allerhöchsten empfohlen hatten, war kein Baufonds vorhanden. Die Bausumme mußte angeliehen, verzinst und amortisiert werden.

Nachdem in den letzten 50 Jahren besserer Wohlhabenheit an die Stelle alter Häuser vielfach neue, größere und schönere Gebäude errichtet worden, auch ein ansehnliches Schulgebäude erstanden war, wurde es immer augenfälliger, daß unser kleines und unscheinbares Kirchlein inmitten besserer Umgebung und gestiegener Wohlhabenheit das Gotteshaus nicht mehr würdig repräsentiere. Durch den Neubau kam nun auch die Kirche zu ihrem Rechte.

Die Bauleitung hatte Architekt von Fisenne in Gelsenkirchen. Bauunternehmer war Meister Franz Sunder-Plaßmann zu Herzfeld a.d. Lippe, Bez. Münster. Platzpolier war Joseph Striewe aus Schwaney, der sich ein hiesiges Mädchen zur Frau erkor.

Arbeitslöhne am Kirchenbau.

Maurer erhielten einen Stundenlohn von 34 bis 35 Pfennig im ersten, 32 bis 34 Pfennig im zweiten Baujahre. Handlanger erhielten 2,40 Mk. pro Tag; Maurerlehrlinge 1,30 Mk. je Tag. Die Anfuhr von Baumaterial von Station Liebenau wurde je Zentner mit 10 Pfennig bezahlt. Die Maurer murreten und waren mit dem Lohn nicht zufrieden. Als der hiesige Unternehmer Joseph Dierkes in den Jahren 1850 und 51 das Rathaus in Borgentreich und s. Zt. die Dammbrücke vor Borgentreich, sowie die Eggelbrücken vor Lütgeneder ausführte, waren überflüssige Maurer hier noch nicht vorhanden. Nach den Angaben eines Teilnehmers dauerte die Arbeitszeit damals in der bessern Jahreszeit regelmäßig von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Nach Abrechnung einer zweistündigen Mittags und einer halbstündigen Frühstücks- und Vesper-Pause verblieben 12 Arbeitsstunden. Der Gesellenlohn betrug damals 11 Silbergroschen, gleich 1,10 Mk. je Tag.

Unser Kirchenbau fand erfreulicherweise seine Vollendung ohne jeglichen Unfall.

Die Gesamtkosten einschl. der Platzerweiterung belaufen sich auf 112.000,- Mk. Hinzu kommen für notwendige innere Einrichtungen etwas über 10.000,- Mk. Weitere Inventaranschaffungen über die augenblickliche Notwendigkeit hinaus ca. 4.000,- Mk. Summe aller Aufwendungen abgerundet: 126.000,- Mk. Der auf die Gemeinde übernommene Kostenteil beziffert sich auf 117.000,- bis 118.000,- Mk. An freiwilligen Gaben ist beigesteuert: Von Einheimischen 5.600,- Mk. von Auswärtigen ca. 2.600,- Mk. zus. 8.200,- Mk.

Auswärtige Teilnahme

Zum vorhergehenden Kirchenbau hatten von auswärts der damalige Fürstbischof von Fürstenberg 400 Taler, die Besitzer des Forstortes Eichhagen bei Bühne (damals von Spiegel) das benötigte Bauholz zugesteuert. Über den Eingängen der Kirche befanden sich zwei bischöfliche und ein von Spiegel'sches Wappen, offenbar zum Andenken an jene Hilfsbereitschaft. Diese Wappen haben in der Westfront des neuen Turmes ihren Platz gefunden. Auch ist jene Beteiligung in eine neue Grundsteinurkunde aufgenommen, die Pietät gegen die ehemaligen Wohltäter mit der alten Kirche also keineswegs abgebrochen.

Nun stand ich unter dem Eindruck, vielleicht sei es den Manen der ehemaligen Wohltäter als auch deren Nachkommen gegenüber nicht völlig gerecht und könne möglicherweise als Vernachlässigung erachtet werden, wenn nicht wenigstens einem Familienrepräsentanten in Erinnerung an die ehemalige Teilnahme ihrer Vorfahren Kenntnis von dem gegenwärtigen Kirchenbau und damit Gelegenheit gegeben werde, zu einer etwaigen Anknüpfung an die vormalige Beteiligung ihrer Ahnherren. In diesem Sinne unterbreitete ich dem Herrn Grafen von Spiegel-Desenberg zu Wischenau in Mähren-Österreich, als auch dem Herrn Grafen von Fürstenberg-Herdingen bei Hüsten Bez. Arnsberg je einen entsprechenden Vortrag. - Der Herr Graf von Spiegel-Desenberg, der durch einigen Grundstücksbesitz unserm Gemeindeverbande zuzählt, erklärte sofort seine aufrichtige Genugtuung darüber, daß es ihm durch mein Anschreiben ermöglicht sei, nach dem Beispiel seiner Vorfahren sich an unserm Kirchenbau beteiligen zu können. Nach Benehmung mit unserm Pfarrherrn stiftete er eine neue Monstranz. Mit der Anfertigung betraute er den Goldschmiedemeister Ludwig Adler in Wien. Anfang Juli 1902 traf sie hier ein und wurde bei Einweihung der Kirche durch den hochw. Bischof von Paderborn, Dr. Wilhelm Schneider, am 21. Juli 1902 zum erstenmal in Gebrauch genommen. Sie ist aus massivem Silber in Vergoldung - die Lunula aus Gold - hergestellt, mit Edelsteinen und Perlen besetzt und erregte freudige Bewunderung. - Der Herr Graf von Fürstenberg lehnte eine Beteiligung ab.

In Ausführung des Vorhabens unseres verstorbenen Herrn Pfarrers Hartmann stifteten seine Warburger Erben eine Kommunionbank. Von auswärtigen Körbecker Kindern stiftete der Kaplan Bremer in Marsberg die Kirchenlampen einschl. derer vor dem Portal, sein Bruder, der Chemiker Dr. Bremer, damals in Antwerpen, gab 200 Mk bar.

Möge der Bau seine Bestimmung zur Ehre Gottes und zum Heil unserer Seelen für uns und unsere Nachkommen stets erfüllen bis in die fernsten Zeiten. Das Glockengeläute erscholl vom neuen Turme zum erstenmal am 12. Dezember 1901. Der feierliche Einzug erfolgte am ersten Ostertage, den 30. März 1902 vor dem Hochamte. Schlechtes Wetter beeinträchtigte die Einzugsfeier wesentlich. Am Einzuge konnten manche leider nicht mehr teilnehmen, die es freudig gehofft und gewünscht hatten, u. a. unser seitheriger Pfarrer und Schullehrer.

Nach dem erstmaligen Verlassen der neuen Kirche kam keine freudige Empfindung zum Ausdruck, sondern es herrschte allgemeine Mißstimmung über die ungenügende Größe, die von Mund zu Mund beklagt wurde.

Hieran beteiligten sich auch solche, die stets die genügende Größe ausdrücklich proklamiert hatten. Da ungenügende Größe ein dauerndes Hindernis für notwendige Ordnung bildet, so wird dieser schwere Fehler voraussichtlich durch Jahrhunderte beklagt und schwer empfunden werden. Deshalb erscheint es angemessen, seine Geschichte etwas genauer darzulegen.

Als die Bauzeichnung erschien, die in gänzlicher Verkennung der hiesigen Verhältnisse zu allem Überfluß zweitürmig war, wurde sie "als viel zu groß" allgemein verschrien und bekämpft. Dem lag keine verlässliche Kenntnis zu Grunde. Eine Erklärung gibt es einmal, in der gewohnt gewordenen Kleinheit unserer alten Kirche, dann die ländliche Unkenntnis von Bauzeichnungen. Nun ist ein Kirchenbau für eine Dorfgemeinde unleugbar das wichtigste Werk des Jahrhunderts. Deshalb ist es nicht nur geziemend, sondern unabweisbare Pflicht zunächst der geistlichen und weltlichen Vorstände, möglichst zuverlässige Selbstinformationen zu beschaffen, damit das kostspielige, für viele Jahrhunderte zu schaffende Werk den berechtigten Anforderungen entspreche. Unter den berechtigten Anforderungen steht die ausreichende Raumbeschaffung an erster Stelle als unerläßliche Aufgabe. Zuverlässige Information hierüber ist zu erlangen durch Messung, Berechnung und Vergleichung von Vorhandenem nebst entsprechenden Umfragen darüber. Die vielseitige Bekämpfung unserer gezeichneten Größe drängte geradezu nach dieser Information. Da genannte Pflicht indes unbeachtet blieb, glaubte Schreiber ds. sich ihr unterziehen zu sollen, um dem Gemeindewohl zu dienen und es nicht zur Tatsache werden zu lassen, daß das wichtigste Werk von Jahrhunderten aus der Gemeinde heraus nicht das notwendige und werktätige Interesse finde. Somit habe ich die Kirchen von Lütgeneder, Dössel, Hohenwepel, Daseburg, Westheim und Schwaney, die im abgelaufenen Jahrhundert erbaut waren und in denen ein einzelner Geistlicher amtiert, gemessen, ihre Größe auf die katholische Seelenzahl verrechnet und die örtliche Erfahrung und Meinung erfragt.

Bei allen Neubauten hat sich eine etwas reichliche Raumbefriedigung ohne Ausnahme stets und allein richtig erwiesen. Die Erfahrung lehrt, daß hinsichtlich des Größenbedürfnisses nur allzu häufig eine Unterschätzung herrscht. Das findet seinen Ausdruck in der späteren Klage, daß es hätte größer sein müssen, und in Nach- und Anbauten, die gegen eine ursprüngliche Ausdehnung weder zweckmäßig noch sparsam erscheinen. Eine gegenteilige Überschreitung dagegen zählt zu den großen Seltenheiten.

Zur Anbahnung einer Vergrößerung ist folgendes versucht worden: Schon vor dem Abschluß meiner Information machte ich dem Architekten gelegentlich mündlich den Vorschlag einer Erbreiterung um 2 Meter. Es lag nahe, daß eine Einzelanregung ohne jegliche Unterstützung eine Ablehnung erfahren werde. Dieses erfolgte denn auch in einer Weise, die den Eindruck der Unzugänglichkeit machte, womit jedes Hineinreden abgeschnitten werden sollte. Nach Vervollständigung meiner lnformation handelte es sich darum, wie sich unsere maßgebenden Personen dazu stellten. Sie sind ihnen vorgelegt worden mit folgendem Erfolge:

Auf einer Stelle wurde noch das Schreiben eines auswärtigen Pfarrherrn vorgelegt, mit dem ich über die Größenfrage im Schriftwechsel gestanden hatte. Dieser sprach in lebhaftem Interesse unter Hervorhebung spezieller Gesichtspunkte einer reichlichen Raumbefriedigung das Wort und betonte besonders, daß von der eigenen Pfarrkirche sicher niemand auch nur ein Quadratmeter würde missen wollen. Das alles wurde zwar zur Kenntnis genommen,aber nicht im geringsten darauf reagiert, vielmehr unter Hinweis auf die Zuverlässigkeit unseres Architekten unserm Projekt die unbedingte Sicherheit bezüglich der zweckgemäßen Größe zugesprochen. Auf zwei anderen Stellen fanden meine Vorlagen und Bemühungen gar kein Interesse.

Selbst das Zahlenmaterial wurde keiner Prüfung und Vergleichung unterzogen. Mit dem Trostspruche "groß genug wird sie ja!" war die Sache abgetan. Unsere maßgebenden und verantwortlichen Personen bemühten sich also nicht selbst um Informationen und verschlossen auch vor ihnen gebotenen die Augen.

Hinzu kommt noch folgendes:

1. Der unzuverlässige Architekt hatte einmal sich schriftlich bereit erklärt , das Projekt um ein Pfeilerfeld zu verkürzen und die Gewölbejoche zu drücken, also kürzer und niedriger zu bauen. Der Fassung nach war das offenbar eine Antwort auf eine Mitteilung über die hiesige Größenbemängelung, welcher der Architekt sich also beugte. Ob die gedachte Mitteilung vielleicht einen Vorschlag auf Verkleinerung enthalten hatte, entzieht sich meinem Urteil, unmöglich ist es nicht. Als mir das besagte Schriftstück des Architekten zufällig zu Gesicht gekommen, machte ich seinem Verfasser ungesäumt ernste schriftliche Vorhaltungen über seine unberechtigte und unrühmliche Kapitulation vor unmündigen Kundgebungen, denen gegenüber er das Notwendige unverteidigt preisgebe.

2. Nachdem uneigennützige Bemühungen im Interesse des Gemeinwohles sich nicht in der Richtung einer Verkleinerung bewegen wollten, bemühte man sich um ihre Ausschaltung. An rechtskundiger Stelle wurden Erkundigungen eingezogen, ob der Kirchenvorstand in der Sache mitzusprechen habe, während mit Mitteln der Gemeindekasse gebaut werde. Es wurde bejubelt, als diese Frage verneint wurde.

3. Ein Bewohner hatte dem Bischöflichen Generalvikariat mitgeteilt, die hiesige Bevölkerung seufze unter schwerem Kummer, weil ein Kirchenbau über Bedürfnis ausgeführt werden solle.

4. Das Bischöfliche Generalvikariat sandte einen Deligierten, der dem hiesigen Kirchenvorstande Vorstellungen dahin machen mußte, das Projekt überschreite unser Raumbedürfnis, stehe mit einer finanziellen Haushaltung nicht im Einklang und deshalb empfehle sich eine Einschränkung. Nachdem solcher Gestalt bundesgenossenschaftliche Angriffe auf die Größe des Projekts sich die Hände reichten und die hiesige Stimmung stärkten, wurde einem Vorschlage auf Vergrößerung die Diskussionsfähigkeit abgeschnitten.

Daß die Abwehr der Angriffe auf die projektierte Größe gelang, war wohl eine Folge meines Zahlenmaterials und meiner Bemühungen. Der Vikariats-Delegierte z.B. nahm nach Vorlegung und Erläuterung desselben von der weiteren Verfolgung seines Auftrages völlig Abstand, auch der Architekt widersetzte sich nach meiner Gewissensschärfung hierfür einer Verkleinerung. Dagegen mußte ein vereinzeltes Befürworten auf Vergrößerung, dessen Notwendigkeit zu verteidigen ich übrigens nie aufgehört habe, verhallen, wie die Stimme des Rufenden in der Wüste.

Alles gesagte spielte sich ab vor dem Baubeginn, und da dieser gegen die ursprüngliche Absicht eine vorteilhafe Hinausschiebung erfuhr, fehlte es zu ausreichender lnformation nicht an Zeit. Das Projekt - es ist nur eines vorhanden gewesen - kam mit Weglassung eines zweiten Turmes zur Ausführung und ist in der neuen Kirche verkörpert. Es ist nicht erreicht, was die Mehrheit wollte, denn diese wollte dringlichst eine kleinere Kirche, aber zu klein ist sie doch, die in ihrem Projekte von den Rufern im Streite als der schreckbare "Kölner Dom", der die Gemeinden Körbecke und Rösebeck fassen könne, ohne gefüllt zu werden" zum Schrecken vieler Unwissenden ausposaunt wurde.

Übrigens war während der Bauzeit die Stimmung allmählich selbsttätig umgeschlagen. Eine erhebliche Mehrheit glaubte nicht mehr an den Schreckhaften "Kölner Dom", sondern stand - leider zu spät - unter dem Eindrucke ungenügender Größe. Diese Meinung hat sich in unserm größeren Maße zutreffend erwiesen. Der Augenschein lehrt, daß eine ansehnliche Teilnehmerzahl keinen Sitzplatz erhalten kann.

Dabei ist der Kinderplatz noch ungeügend bemessen, die alten Bänke stehen mit 70 cm von Mitte zu Mitte zu eng, sodaß die Männer beim Sitzen unter der Predigt die Beine schräg halten müssen. Dabei ist die Teilnahme am Hochamt noch durch vorhergehende Frühmesse vermindert, welches, weil früher nicht gebräuchlich, beim Bau nicht in Betracht kommen konnte, auch womöglich wieder in Fortfall kommen kann. Dieser schwere, durch Jahrhunderte fortwirkende Fehler verdirbt die aufrichtige Freude am Werk - befriedigt ist niemand.

Die Verantwortung trägt zunächst der einseitig beauftragte Architekt, der ein ungenügendes Projekt vorlegte und sich bereit erklärte, dies noch zu verkleinern. Solcher Wankelmut vermochte indes das Vertrauen unserer maßgebenden Personen in seine Zuverlässigkeit nicht im mindesten zu erschüttern. Nicht mindere Verantwortung hat das Bischöfliche Generalvikariat mit seinem Verkleinerungsvorschlage. Dieser war zwar einer guten Absicht entsprungen, allein damit hebt sich die Verantwortung nicht auf. Ihm wie auch dem Architekten fällt pflichtgemäß die Obsorge für die Zweckmäßigkeit zu, auch müssen beide sich der Tragweite ihrer Einwirkungen völlig bewußt sein. Solch verkehrten Einwirkungen gegenüber schweigsam zu verharren, ist meines Empfindens nicht recht. Durch Klärung können ähnlich schädlich wirkende Einflüsse an einer Fortsetzung behindert werden.

Nach Eintritt des untrüglichen Augenscheins, der kein Ausweichen zuläßt, habe ich mich daher der undankbaren Aufgabe unterziehen zu sollen geglaubt, sowohl dem Generalvikariat als auch dem Architekten je eine ausführliche Darlegung dessen, worauf es bei einem Kirchenbau an erster Stelle ankommt, zu unterbreiten und in Verbindung hiermit die Unsachlichkeit und schädliche Folge ihrer Einwirkungen zu betonen und lebhaft zu beklagen. Mach meinen außerordentlichen Bemühungen um eine zweckmäßige Größe, die von jenen Seiten durchkreuzt waren, konnte ich ihnen diese Vorhaltungen nicht schenken.

Das Vorhalten vorgenannter Faktoren bestätigt die alte und leider so häufig unbeachtete Lehre, daß in wichtiger Angelegenheit niemals blindes Vertrauen an die Stelle von Selbstinformation treten soll, soweit letztere möglich ist.

Als unsere Vorväter eine kleine Kirche bauten, war die Schwächung der Bevölkerung und Finanzkraft durch den 30-jährigen Krieg noch nicht ausgeglichen. Uns stehen bei dem gleichen Fehler Milderungsgründe nicht zur Seite. In Gemeindeangelegenheiten schiebt eine Großmannssucht leider nur zu häufig eine persönliche Gegensätzlichkeit an die Stelle des sachlichen Interesses. So auch in unangenehmer Weise hier beim Kirchenbau. Bei wichtigen Anlässen ist dann oft ein Eingreifen der Aufsichtsorgane notwendig, um in das richtige Gleis zu steuern. In unserm Falle aber steuerten diese in Ermangelung richtiger Sachkenntnis nur noch weiter vom richtigen Wege ab. Der Größenmangel bleibt ein stetes Hindernis für die notwendige Ordnung. Es muß beachtet werden, daß die ländliche Bevölkerung gegenwärtig auf einer Tiefstandziffer steht, die eine weitere Abnahme kaum ertragen kann und einige Zunahme nicht zur Unmöglichkeit zählt. Ist das Raumverhältnis nun für die gegenwärtige Tiefstandziffer nicht völlig ausreichend, so würde schon eine geringe Vermehrung das Mißverhältnis umso auffälliger machen. Die gewöhnliche Entwicklung wird künftighin zuverlässig Ansprüche erheben auf vermehrte Räumlichkeit in jeder, auch der kirchlichen Richtung.

Angemessen und dringend ist es, zu wichtigem Werke die Vorbereitungen auf das sorgfältigste zu treffen, damit das Zweckmäßige getroffen werde. Bei wenigen Anlässen möchte dazu so viel Zeit zur Verfügung stehen, wie bei einem Kirchenbau, wobei sie ohne Schädigung auf Jahre ausgedehnt werden darf. Unsern Vorbereitungen nach ist der Bau noch gut genug ausgefallen.

Feldquellen die niemals versiegten und aus denen die sommerlichen Feldarbeiter ein gutes Trinkwasser entnahmen, waren in unserer Gemarkung etwa 40 bis 50 Stück vorhanden. Am quellreichsten waren die Ahlersieks-, Neien-, Ellentalswiesen und Schnakenberg, während der Gemarkungsteil vom Liebenauer Wege bis durchs Waterfeld und Alfen ohne Quellen war. Nach der Separation sind die meisten durch Drainröhren in die benachbarten Gräben geleitet und dadurch leider dem Auge unsichtbar geworden.

Zum Bleichen von Leinen und Wäsche wurden ehemals die "Eckernwiesen" und die Wiesen "Unter den Thünen" benutzt. Da die Separation leider keine Gemeindebleichplätze ausgelegt hat, werden die Wiesen "Unter den Thünen" auch heute noch als Bleichplätze benutzt.

Früher führte in "Becker Woorth", die zu dem Hause Nr. 66 gehört, am Pfarrgarten entlang ein Fußweg zu den Thünenwiesen und den Bleichen. Dieser Fußweg, dessen Vorhandensein und Benutzung sich zweifellos die ältesten Einwohner erinnerten, wurde nach 1870 von dem Grundstücksbesitzer gesperrt. Unsere Gemeindevertretung hätte dem wehren müssen, hat sich aber nicht darum gekümmert. Es ist also kein direkter Zugang mehr vorhanden und soweit ferner noch dort gebleicht wird,ist den Frauen und Mädchen, denen eine Menge häuslicher Arbeiten obliegt, der öftere Bleichgang sehr erschwert.

Becker Woorth diente ehemals auch den Kindern im Winter zu einer Schlittenbahn, die nicht gewehrt wurde. Später hat der Besitzer dies verpönt, wozu man ihm das Recht nicht absprechen kann. Es erscheint empfehlenswert, daß seitens der Gemeinde vermittelst Einvernehmen und einer mäßigen Vergütung an den Eigentümer den Kindern Becker Woorth wieder als Schlittenbahn zugänglich gemacht würde, weil es an einer andern geeigneten Bahn mangelt und das Schlittenfahren für die Kinder ein zuträgliches Wintervergnügen ist.

Im Sturm- und Revolutionsjahre 1848 zitterten die Wogen des Aufruhrs bis in die Dörfer hinein. Hier hatten Gleichgesinnte wiederholt dem Vorschlag zugestimmt, einige Judenhäuser mit ansehnlichen Kramläden - es waren deren 3 - auszuplündern. Indem die Phantasie ihnen den verlockenden Genuß von Branntwein, Tabak, Kaffee, Zucker ect. bei dem Werke in Aussicht stellte, mochte die Begehrlichkeit und Versuchung groß genug sein. Eine Probe auf die Nützlichkeit ist indes nicht gemacht, die Kinder Israels kamen mit dem Schrecken davon.

Ein Agitator aus Paderborn suchte in einem Vortrage die Bevölkerung zur Steuerverweigerung zu erziehen. Durch dieses einfache Mittel könne und müsse die Regierung lahm gelegt werden. Nach der Verweigerung werde der Exekutor pfänden und einen Verkauf der Pfandstücke anstellen. Auf diese Pfändstücke dürfe nirgends und von niemand ein Gebot erfolgen. Dann gehe der Regierung das Geld und der Atem aus und werde sie durch dies einfache Mittel zur Kapitulation gezwungen. Danach komme eine Volksregierung, die im Handumdrehen ein goldenes Zeitalter herbeiführe.

Die Bevölkerung mochte ein Häkchen an der Sache finden, denn die Probe auf die Nützlichkeit des Exempels ist auch hierin nicht gemacht worden.

Zeitungen erschienen vor dem Sturmjahre wenige und waren auf dem Lande völlig unbekannt. Das Revolutionsjahr aber erzeugte viele Zeitungen und der Schuhmachermeister Jürgens hielt eine zeitlang die Hahnenzeitung, an deren Kopf ein Hahn stand. Aufregende Neuigkeiten passierten viele und vielerorts. Der wachsame und aufmerksame Hahn beobachtete alles, krähte es in sein Blatt hinein und tat seine Meinung hinzu. An den Tagen, an denen der Postmann die Hahnenzeitung brachte, sammelten sich abends einige Männer um den Meister, um zu erfahren, was der Hahn Neues aus dem weiten, bewegten Beobachtungsgebiete berichtete.

Einigemal wurde ich mitgenommen, als Vorleser zu fungieren. Bei schmackhaften Kraftstellen, an denen es nicht mangelte, wurde Halt geboten um den Kraftausdrücken freudigen Beifall zu zollen, auch Bemerkungen und Prophezeihungen daran zu knüpfen. Der begabte Meister hatte sich schon vorher mit dem Inhalt bekannt gemacht und einige Folgerungen in petto, war daher ausschlaggebend. Danach konnte weiter gelesen werden. Vielleicht mochte ich verständlich vorlesen können, für ein politisches Verständnis war in dem Schulknabengemüt aber kein Raum. Als die Wogen sich alsbald glätteten und der Glanz der Revolutionshelden verblaßte, wußte der Hahn nichts Neues mehr und ging in die Mauserung. Auch die politischen Besucher des Meisters blieben aus und achteten daheim auf die unpolitischen Auslassungen ihrer Ehehälften. So saß denn der Meister abends wieder vereinsamt hinter seiner Leuchtkugel und handhabte Pfriem und Pechfaden ohne politische Anwandlungen. Die Hoffnungen auf das goldene Zeitalter gingen nicht in Erfüllung.

Das Jahr 1848 hinterließ immerhin einige Errungenschaften, davon sei die folgende erwähnt:

Bis dahin wurde die Jagd nur von den sogenannten Gutsherren geübt, die dies und manch anderes Privileg infolge einstmaliger Aneignung besaßen. Hiernach waren in den Gemarkungen der Dörfer Daseburg, Rösebeck, Körbecke, Bühne, Manrode und Muddenhagen, die ehemals die Herrschaft Desenberg bildeten, nur die Herren von Spiegel jagdberechtigt. Da die meisten der Berechtigten fernab wohnten, ließen sie die Jagd durch ihr Forstpersonal üben. Sonderlich viel Wild kam dabei eben nicht zum Abschuß.

Im Jahre 1848 wurde dies Privileg vom Volke vollständig ignoriert. Es jagte, wer Lust dazu hatte. Hauptsächlich waren es die erwachsenen Jünglinge, die eine alte Flinte herbei suchten und am Sonntagnachmittag damit lossteuerten. Das arme Hasengetier hatte noch nie so böse Zeiten erlebt, wie die damaligen Sonntagnachmittage. Mochten die neugebackenen Nimrode ihre Geschosse auch nur selten in den Pelz des Meister Lampe dirigieren und ihm einen völligen Garaus machen können, so wurde durch das viele Gepuffe die zaghafte Sippe doch in Schrecken und Bestürzung versetzt, überall aufgescheucht und mußte heilloses Fersengeld geben. Wohin sie sich immer in ihrer Flucht wenden mochten, allenthalben richteten sich Flintenläufe auf ihr bißchen Leben, wonach die Flüchtigen zuweilen die Besinnung fast verloren. - Die Jagdnutzung verblieb hinfort den Eigentümern der Grundstücke als Gemeinrecht, auf denen das Wild sich ernährt und wird gemeindeseitig verpachtet. Von interessierter Seite ist bis in die neueste Zeit gelegentlich behauptet worden, der Verlust des ehemaligen Jagdrechts ohne Entschädigung sei ein Unrecht. Als wenn jemand glauben könnte, die Herrschaften hätten bei der ehemaligen Vorwegnahme des Privilegs irgendwelche Gegenleistungen gewährt. Mit gleichem Recht können sie sich darüber beklagen, daß die Völker ohne Entschädigung ihnen nicht leibeigen geblieben sind.

Unsere Vorväter hatten Adligen und Klöstern verschiedene Pflichtigkeiten an Naturallieferungen, Dienstleistungen ect. Im Jahre 1803 wurden die Klöster aufgehoben, die Klostergüter in Staatsdomänen umgewandelt, und flossen die ehemaligen geistlichen Einkünfte fortan in die Staatskasse unter dem Namen Domänenabgaben. Diese Naturalleistungen wurden später in Geld umgewandelt und führten von da ab, soweit ihr Ursprung aus Pflichtigkeiten von Adlige herstammte, den Namen Tilgungsrenten, diejenigen geistlichen Ursprungs dagegen Domänenrenten. Die Umwandlung der Domänenabgabe in Geld geschah nach einem mir vorliegenden Rezesse im Jahre 1846, die der Abgaben an Adlige schon früher. Diese sämtlichen Abgaben wurden später zur Tilgung gestellt.

Die Amortisationsperiode für Tilgungsrenten lief von 1850 bis 1890, diejenige der Domänenrenten von 1857 bis 1898, jede Periode also 41 Jahre.

Für Körbecke bezifferten sich die Jahreszahlungen:

1. an Tilgungsrenten auf 3.723,91 Mk.

2. an Domänenrenten auf 1.227,80 Mk.

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zusammen auf 4.951,71 Mk. jährlich

Außerdem waren zu Beginn der Tilgungsperiode kleinere Teilbeträge durch Kapitalzahlungen abgelöst worden. Als die Domänenrente bei Umwandlung in Geld zur Ablösung gestellt wurde, hatte der Staat nach einem mir vorliegenden Rezesse 1/4 der Abgaben fallen lassen. Die frühern Gefälle an die hiesige Pfarrstelle, Kirche und Organistenstelle wurde im Jahre 1874 u.ff. zur Ablösung gestellt. Die betreffende Rente erlischt nach 36 1/2 Jahren am 30. April 1932.

Bei der erstmaligen Abhaltung einer Mission im Jahre 1853 richtete der Missionar Hillebrand eine gewaltige Kanone gegen den Branntwein. Dieser sollte vom Erdboden verschwinden. Nach genugsamer Bresche sollten Männlein und Weiblein kapitulieren, d.h. den Altar umschreiten und in die Hand des Missionars das Gelöbnis ablegen, hinfüro keinen Tropfen mehr über die Zunge gleiten zu lassen. Solch ernsthaft Ding forderte Überlegung. Nach reiflichem Für und Wider kam ein armes Ehepaar, Franz und Annemrigge zu dem festen Entschlusse, nicht zu kapitulieren, sondern den bisherigen mäßigen Genuß beizubehalten. Die Folge zeigte, wie leicht der Mensch durch das Beispiel seinen ernstesten und festesten Vorsätzen untreu wird. Als die umgebende Männerschar sich nach dem Altar in Bewegung setzte, verleugnete Franz seinen Entschluß und ging mit. Und Annemrigge - als sie bei der Musterung des Männerzuges ihren abtrünnigen Franz dazwischen gewahrte, wurde auch ihr der Kirchenstuhl zu eng. Aber schon auf dem Heimwege begann die Reue, ihr Herz zu benagen und in gedrückter Stimmung erreichten sie ihre Wohnung. Als nun gemäß erhaltener Weisung ein Vorrat als verächtliches Gespülsel zum Fenster hinausgeschüttet werden sollte, erschienen sie sich als schimpfliche Verräter und undankbare Frevler an einem guten Freunde, der oft den Mangel an Zubrot ersetzt hatte. Sie machten sich gegenseitig Vorwürfe über ihren Wankelmut und beweinten ihre dadurch entstandene Lage. Zu dem Verschütten konnte sich niemand entschließen und so erwuchs dem geringen Vorrat eine Gnadenfrist.

Annemrigge war einstmals mit einem hessischen Eierhändler, der eine schwere Kiepe voll Eier nach Kassel trug zusammengetroffen in einer Wirtschaft, wo der Händler rastete und sich durch einen Schnabus zur Weiterreise stärkte. Als sie mit ihm darüber sprach, daß die Sonne es zu gut meine und noch alles verderbe, entgegnete der bejahrte Händler:

"Wase! de Sunne und de lewe Branntewien, de hat noch niemals wat verdurwe". Diesen Weisheitsspruch holte sie jetzt hervor und legte ihn den verächtlichen Äußerungen des Missionars gegenüber auf die Waagschale, worauf das Zünglein der Waage fast senkrecht stand. Nachdem dann die Ausführungen des Missionars hie und da noch einige Abschwächungen erfuhren, hatte der Branntwein, der nahe vor der Exmission stand, das volle Hausrecht wieder erlangt. Ähnlich mochte es in den meisten Fällen ergangen sein. Der Kampf gegen den Branntwein erwies sich als ein Schlag ins Wasser. Dazu müssen die damaligen Verhältnisse berücksichtigt werden. In der ärmeren Bevölkerung waren Fleisch, Butter, Käse seltene oder unbekannte Dinge. Die Hauptnahrung bestand aus Kartoffeln, Brot, Zichorienkaffee. Mit den ersteren mußte aufs sparsamste umgegangen werden. Da mochte denn ein Schnäpslein zur Abwechselung oder Anfeuchtung des trockenen Brotes nicht verachtenswert sein.

Gegenwärtig sind die Mäßigkeitsbestrebungen von wohlwollenden Menschenfreunden nicht ohne Erfolg wieder aufgenommen. Völlige Enthaltsamkeit wird indes schwerlich wieder erzielt werden, solange nicht zusagender Ersatz gefunden ist. Der Einzelne aber sollte - besonders im jüngeren Lebensalter - seine Trinkneigung sorgsam überwachen und sie immer sofort wieder einschränken, wenn sie zunehmen will. Je mäßiger alle Genüsse, je zuträglicher sind sie in jeder Hinsicht. Würde die Anerkennung und Befolgung dieser unleugbaren Wahrheit durch Wort und Beispiel immer mehr Gemeingut, so würde sich das äußerst wertvoll erweisen für den Einzelnen, für Familie, Gesellschaft und Staat.

Kaisermanöver
Unser freundlich stilles Bachtal, in dem gewöhnlich außer ermunternden Zurufen des Landmanns an seine Zugtiere nur ein vereinzelter Habichtsschrei oder Käuzchenruf vernehmbar ist, war am letzten Manövertage des Jahres 1907 - am 11. September - der Schauplatz kriegerischer Kämpfe. In dem Gelände südlich von Rösebeck bis über den Taleinschnitt und die Dorflage von Körbecke hinweg wogte ein mehrstündiges, äußerst heftiges Gefecht. Bedeutende Truppenmengen aller Waffengattungen nahmen daran teil. Im Tal hatte u.a. eine Maschinengewehrabteilung Stellung genommen. Insbesondere fand auch ein starkes Aufgebot von Kavallerie aller Schattierungen in den Seitenmulden und Schluchten des Tales gute Stellungen und konnte nach unternommenen Attacken schnell wieder ausgezeichnete Terraindeckung nehmen.

Somit hallte über Berg und Tal ein tausendfaches Getöse kriegerischer Feuerwaffen. Das Brechen der Schallwellen an den Bergwänden weckte ein mehrfaches Echo, wodurch das Feuergetöse wahrhaft ohrenbetäubend wurde.

Die Ernte hatte sich diesjährig um etwa 14 Tage verspätet; daher standen noch Früchte auf dem Halm. Artillerie und Schützenlinien nahmen vielfach Stellung und Deckung in stehenden Halmfrüchten. Im Laufe des Gefechts rückte die Kavallerie aus dem Tal heraus und tummelte sich auf den äußersten Flügeln südlich und südöstlich von Körbecke. Als sie nach Schluß des Gefechts zusammenrückte, bedeckte sie mit 6 Regimenten ganze Feldflächen.

Nach Verziehung des starken Morgennebels langten 2 kaiserliche Automobile von Kassel über Liebenau auf dem Rösebecker Gefechtsfelde an. Unter ihren Insassen befand sich die junge Kaisertochter Prinzeß Viktoria Luise, die mit Interesse dem Gefechtsgang folgte. Den Kaiser sahen wir am vorhergehenden Tage, als er auf der Dinkelburger Anhöhe im Auto 10 bis 15 Minuten hielt, um sich mit dem Generalstabschef über die Gegend zu informieren. In den Gefechtstagen befand sich auf jeder Seite ein Fesselballon, von dem aus Bewegungen der Gegenseite beobachtet und gemeldet wurden. Nach dem letzten Gefechtstage bivakierte ein pommersches Kürassierregiment auf Ames Plane auf dem Sieke.

Die Flurschäden wurden teilweise sehr gut, teilweise mäßig, einige auch knapp entschädigt, wie es sich bei Schätzungen zu treffen pflegt.

Reise nach Russland

Als der Unterzeichnete einmal in einer kleinen Gesellschaft seinen Fuß auf den Boden des geheiligten Russland setzen wollte, ahnte er nicht, daß das mit Schwierigkeiten verbunden sei. Zunächst mußte ein amtliches Legitimationspapier beschafft werden. Als wir hiermit ausgerüstet uns der Grenze näherten, wurde uns Eile empfohlen, weil die Mitternachtszeit herannahe, in welcher Russland keinen Besuch empfange. Bei unserm Eintreffen an der Grenze zeigten unsere Uhren noch reichlich 15 Minuten vor 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Es war nicht berechnet, daß Russland uns wahrscheinlich in der Tageszeit voraus ist. Genug, die Grenze war geschlossen, eine schwere eiserne Kette über den Weg herabgelassen, die von einem Militärposten bewacht wurde.

Seitwärts stand auf freiem Felde eine Kaserne, von der aus der Weg besetzt und die Grenzstrecken rechts und links zu Pferde abpatrouilliert werden. Das Zeigen unserer Uhren und ein Parlamentieren blieben fruchtlos, der Russe ließ sich auf nichts ein, auch verstanden wir uns gegenseitig nicht. Ein preußischer Zollbeamter, der mit einem russischen Offizier an einem Gartentische saß, rief uns zu, um 2 Uhr, früher könnten wir nicht passieren. Da mußten wir gute Miene zum bösen Spiel machen und uns zurückziehen.

Nach der herrschenden Meinung ist der Russe von der Kultur noch nicht maltraitiert, besitzt also noch starke Nerven und demnach noch einen gesunden Schlaf. In dieser Empfindung erschienen wir erst einige Zeit nach 2 Uhr wieder an der Grenze. Wer nun annehmen wollte, Russland hätte uns jetzt mit offenen Armen gegenübergestanden, würde sich irren. Wir wurden abermals eine gute Weile zurückgehalten, bis ein ausgerüsteter Kosak aus der Kaserne herbeikam, um uns in seine Obhut zu nehmen. Somit genossen wir zum erstenmal im Leben die Ehre, von der bewaffneten Macht mit geladenem Gewehr eskotiert zu werden. Soviel Aufhebens hatten wir von unsern Persönlichkeiten nicht erwartet. An unserm Marssohne mußte eine sprachliche Anknüpfung wegen der Sprachenverschiedenheit gänzlich abprallen; in Entgegennahme einiger Zigarren zeigte er sich aber bestens zugänglich.

Unser Mann lieferte uns im Städtchen auf dem Zollamt ab, wo wir rekognisziert wurden. Einige von uns konnten in polnisch, was hier Landessprache ist, mit Ja und Nein antworten. Hiernach konnten wir uns auf eigene Faust bewegen.

In der nahen Umgebung des Städtchens konnten wir 13 Windmühlen zählen. Das Pflaster der Stadt wies gefahrdrohende Senkungen auf. Eine massige alte Kirche aus Ziegelsteinen hatte eine Eisenumgitterung. Hier wieder dasselbe verschlossene Wesen, nirgends war ein Einlaß zu finden. Wer hätte von den Russenköpfen überall eine solche Sprödigkeit vorausgesetzt? In Erwartung eines Trinkgeldes dagegen konnten junge, gesunde Russen auf der Straße einen Bückling machen, daß ihre Stirn fast das Pflaster berührte. Da hatten wir Gelegenheit, ihnen auch einige Sprödigkeit zu zeigen.

In einem Gasthause fand sich soviel Vermittlung der deutschen Sprache, daß wir uns an einem Brötchen mit gekochtem Schinken und einem Glas Bier stärken konnten. Der Schinken war überaus zart und schmackhaft, auch das Bier war gut. Die Fleischpreise in Russland kommen nur wenig über die Hälfte der unsrigen.

Auf der jenseitigen Warthebrücke begegneten uns einige beladene Heuwagen, die von den Wiesen kamen. Die Fahrer dirigierten ihre Viehgespanne oben vom Heuwagen herab. In den großen sandhaltigen Ebenen des Ostens sind besteinte Wege selten. Noch seltener sind fließende Gewässer, daher allenthalben Windmühlen.

Nachdem wir unsere Legitimationspapiere auf dem Zollamte wieder in Empfang genommen hatten, konnten wir unsere Rückkehr antreten, ohne diesmal einer bewaffneten Begleitung gewürdigt zu werden. Das preußische Zollamt passieren wir völlig unbehelligt, obwohl Zollbeamte sich zufällig vor dem Gebäude befanden.

Schlußwort

Jedem Zeitraume scheint das Los zuzufallen, von den Zeitgenossen ein unrühmliches Prädikat zu erhalten im Vergleich mit der "guten alten Zeit". Letzteres Prädikat steht ihm dann in Aussicht, wenn er entschwunden ist.

Nun ist als sicher anzunehmen, daß jedem Zeitabschnitte seine Eigenart von Mängeln und Übeln anhaftet, die beklagenswert sind und zur Bekämpfung auffordern. Es muß zu allen Zeiten um das Fortkommen gesorgt und geschafft werden. Prüfungen schweben wolkengleich über der Menschheit und lassen sich in ungleicher Verteilung nieder.

Unserer gegenwärtigen Zeit entfallen mehr und mehr die Zügel, mit denen der Begehrlichkeit nach Wohlleben und Luxus die unerläßliche Hemmung vermittelt werden muß. Deshalb steigert jene ihre Ansprüche über die verfügbaren Mittel hinaus, zerstört den natürlichen und notwendigen Einklang wesentlicher Dinge und erzeugt weithin eine völlig unberechtigte und schädliche Unzufriedenheit, die weite Kreise in Mitleidenschaft zieht.

Ein weiterer Übelstand und eine drohende Gefahr liegt in der gegenwärtigen Ausnutzung der Kapitalmacht. In Ausdehnung der Großbetriebe und im Zusammenschluß zu Gesellschaften, Ringen und Syndikaten droht den Mittelständen eine Beherrschung durch Diktierung der Preise, Verdrängung der Kleinbetriebe und Aufsaugung der Arbeitskräfte. Durch Erspähung und Ausnutzung jeder Gelegenheit, die Konkurrenz aller Weltteile auf unsere Märkte zu werfen, wird die Existenz unentbehrlicher heimischer Berufsstände erschwert, oder aufs äußerste gefährdet. Da ist es nur natürlich und geboten, daß die gefährdeten Berufsstände, die Gefahr laufen, rücksichtslos hinter die Front gedrängt zu werden, sich sorgenvoll zusammenschließen zu energischer Verteidigung ihrer bedrohten Existenz, und daß sie mit berechtigter Unzufriedenheit erfüllt werden, wenn sie von maßgebender Seite die nötige Fürsorge und Unterstützung vermissen.

Die Erhaltung vaterländischer Produktivstände ist zur Erhaltung eines gesunden Zustandes unseres staatlichen und gesellschaftlichen Gesamtorganismus in mehrfacher Hinsicht unentbehrlich.

Vergleichen wir indes mit den gegenwärtigen Verhältnissen die Vergangenheit, so sehen wir unsere Vorväter in weit schwierigeren Lagen mit schweren Beschwerden und Drangsalen. Endlose Kriege mit ihren Schrecknissen, raub- und mordgierigen Söldnerscharen, mit ihren Seuchen, Verwüstungen und Vermögensverlusten ohne Entschädigung waren keine Seltenheit. Um diejenigen, die durch den Krieg verwüstet, verdorben, verarmt waren, kümmerte sich niemand. Es bestand keine Möglichkeit, elementare Vernichtungen durch Feuer und Hagel vermittels Versicherungen abzuschwächen. Die ehemalige Bauart gewährte einer Feuersgefahr großen Spielraum.

Sehen wir, daß durch die Verwaltungsorgane einer Gesamtgemeinde Strafen auferlegt werden von beträchtlicher Höhe, so vermögen wir uns des Empfindens behördlicher ausgedehnter Willkür nicht zu erwehren. Welch gewaltige Lähmung, Schädigung und Niederhaltung mußte die Frohndienstpflicht bewirken. War der Bauer im Begriff, den günstigen Zeitpunkt zur Bestellung seines Ackers oder zur Bergung der Ernte wahrzunehmen, so rief ihn eine Botschaft zum Frohndienste. Bei der Gewalt, die man über ihn übte, wartete seiner nichts Gutes, wenn er unfolgsam war. So mußte er dann das Seinige liegen lassen und dem Frohndienste nachgehen. Und welche willkürliche Übergriffe mögen sich nicht übermütige Frohnvögte gestattet haben, gegen die es kein Abwehrmittel gab.

Wie richterlich verbriefte Rechte gegen Mächtige unwirksam bleiben konnten, zeigt uns der Holzprozeß. Stets erneuerte richterliche Zuerkennungen, auch die Festsetzung bestimmter Mengen zu vorläufiger jährlicher Verabfolgung blieben 170 Jahre erfolglos.

Der Verlauf, den eine beabsichtigte Entschädigung für Kriegslieferungen nahm, läßt schließen, die Behörden hätten damals die große Sorge für das Wohl der Bevölkerung noch nicht in ihr Programm aufgenommen. Sonst wären sie verpflichtet gewesen, den unerfahrenen Landgemeinden ihre Entschädigung zu vermitteln bis in deren Hände. Statt dessen fallen die Entschädigungen in die Krallen eines gewandten Raubvogels und die Gemeinden haben das Nachsehen.

Als die Kartoffel noch unbekannt, die Äcker noch nicht entwässert, die Ackergeräte und Feldbestellung noch unvollkommen, die Düngung schwach, die Verkehrsmöglichkeit für Massengüter noch auf eine kleine Umgebung beschränkt war, zählten Mißernten und nachfolgende Hungersnöte zu den öfteren Heimsuchungen der Völker, letztmalig im Jahre 1847.

Die persönliche Freiheit und gesicherte Rechtspflege, die guten Wege, der leichte, bequeme, schnelle und billige Personen- und Güterverkehr, der erleichterte und schnelle geistige Verkehr, die Übernahme aller schweren Arbeiten auf die Maschine - das ist eine Reihe von Errungenschaften, die uns täglich zugute kommen, es aber vergessen lassen, wie unvollkommen es mit all dem zur Zeit unserer Vorväter bestellt war. Es ist also unleugbar in fast jeglicher Beziehung sehr viel freundlicher geworden wie ehemals und die gegenwärtige Zeit also gar nicht so schlecht. Die vielfache gegenwärtige Unzufriedenheit wurzelt in einer überspannten, krankhaften Begehrlichkeit.

In den Grundstein unseres Schulgebäudes von 1893 lieferte ich nach geschehener Anregung eine Urkunde.

In den Grundstein der Kirche eine Urkunde zu liefern, veranlaßte mich Herr Pfarrer Hartmann wenige Wochen vor der Grundsteinlegung.

In der Voraussetzung, auch in ferner Zukunft würden denkende Menschen einiges Interesse haben an der Kenntnisnahme vormaliger Zustände ihrer engeren Heimat, zeichnete ich gegenwärtige und vergangene Verhältnisse unserer engern Umgebung in jener Urkunde auf, soweit dies in einigen Wochen möglich war. Damit hatte ich 40 Bogenseiten gefüllt.

Nach Einsicht genannter Aufzeichnungen regte Pfarrer Hartmann des weiteren an, in Anbetracht, daß die Grundsteinurkunde erst nach einer Reihe von Jahrhunderten wieder zum Vorschein komme, gleiche Aufzeichnungen auch für unsere nächsten Nachkommen niederzulegen. Diesen praktischen Vorschlag habe ich mit gegenwärtigen Aufzeichnungen zur Ausführung gebracht.

Die zunehmende Verschärfung der Einblicke in die Naturkräfte führt zu ihrer Nutzanwendung, wodurch rasche Umgestaltungen fast aller Verhältnisse in kurzen Zeiträumen sich vollziehen. Ohne Aufzeichnung geht die Kenntnis von den außer Gebrauch gekommenen Zuständen rasch verloren. Was durch Aufzeichnungen festgehalten und überliefert wird, kann den Nachkommen zu vergleichender Kenntnisnahme dienen.

Das Material lieferten in meinem Besitz befindliche oder sonst eingesehene Urkunden und Akten, eine Anzahl eigener, langjähriger Notizen und Tagebuchaufzeichnungen, endlich Erinnerungen an eigene Beobachtungen und an Erzählungen der Älteren; einiges mußte noch hinzugeholt werden.

Der ehrenvollen Aufgabe widmete ich gern einige Mühe in der Hoffnung und dem Wunsche, unsern Nachkommen Aufschlüsse zu hinterlassen, die ihnen nicht unwillkommen seien. Anregend wirkte der Gedanke, vielleicht existiere nach einem längeren Zeitraume noch eine Arbeit eigener Hand und Gedanken, die Kunde von unserm gegenwärtigen, bescheidenen Dasein gäbe.

Bei längerem Nachdenken in der Richtung des Vorhabens und bei der Arbeit kam immer noch einiges hinzu; somit wuchsen die Aufzeichnungen zu vorliegendem Umfange.

Der Mühewaltung würde es dienen, wenn sich fortlaufend einiges Interesse durch Einsichtnahme bekundete.

Zu schätzenswerter Ergänzung und Vergleichung würde es dienen, wenn in jedem künftigen Zeitraume, wenigstens in jedem kommenden Jahrhundert eine Fortsetzung hinzukäme.

Meinen künftigen Nachfolgern im Amte und Allen, die Einsicht in diese Arbeit nehmen, entbiete ich hiermit einen freundlichen Gruß!


Diese Aufzeichnungen habe ich in dem von mir erbauten Verwalts-Wohnhause südlich vor Körbecke im laufenden Jahre niedergeschrieben und abgeschlossen.

Körbecke, am 22. Dezember - Wintersonnenwende des Jahres 1904.

Clemens Bremer

Landwirt